Finanzen Geld Schule

Warum lernen unsere Kinder nichts über Finanzen?

DIE GRIECHISCHE ANTIKE IN DIE KÖPFE REINZUPRESSEN, DARIN SIND DIE SCHULEN GUT. WENN ES ABER UM GELD, VERSICHERUNGEN, KREDITE UND UM DEN EFFEKTIVEN VERMÖGENSAUFBAU GEHT, VERSAGEN SIE. WARUM LERNEN UNSERE KINDER NICHTS ÜBER FINANZEN?

Die westliche Welt ist geprägt vom Kapitalismus. Geld und Geschäfte mit ihm sind das, worum sich alles dreht. Aber schauen wir uns mal das Bildungssystem genauer an, ist es erschreckend, wie wenig Alltagsfähigkeit unsere Kinder in den Schulen eigentlich mit auf den Weg bekommen. Erlangen sie das Abitur, so können sie Gedichte interpretieren, mit Integralen rechnen oder molekularbiologische Aufgaben lösen. Aber spricht man sie auf Geldanlagen, Kredite oder Versicherungen an, schaut man nur in fragende Gesichter. Aus welchem Grund ist das so? Warum versagt das Bildungssystem ausgerechnet in diesem wichtigen Sektor?

Anfangs lernen Kinder noch von ihren Eltern

Man muss dazu sagen, dass es in diesem Artikel weniger um eine finanzielle Früherziehung geht. Wir reden nicht darüber, dass Kinder die ersten Handgriffe mit dem Taschengeld lernen sollen. Das übernehmen die Eltern. Sie bestimmen, wie viel die Kinder wöchentlich oder monatlich bekommen, um sich erste Kleinigkeiten zu kaufen. Das neueste Comicheft oder die ein oder andere Süßigkeit. Die Eltern sind auch in der Pflicht, ihren Kindern finanzielle Grundwerte zu vermitteln, je größer sie werden. Irgendwo ist aber ein Punkt erreicht, wo die Eltern die finanzielle Erziehung ihrer Kinder nicht mehr stemmen können. Wie sollte man einen noch halbwegs pubertierenden 16-jährigen schon begeistern können, sich mit dem Vater zusammenzusetzen, der ihm etwas über Steuererklärungen und Versicherungen erzählt? Da ist Durchzug und Desinteresse angesagt. Also müssen Themen wie diese anders untergebracht werden. In Schulen nämlich.

Schulen haben bereits eine Grundlage geschaffen

Steuererklärungen und Versicherungen sind nur das eine, was dringend vermittelt werden sollte. Da sind auch noch die Themen Kredit, Konto, Geldanlage, Immobilien, Bonität, Nebenkosten, sowie Sparen und Vermögen. Man muss das Bildungssystem ein bisschen in Schutz nehmen, weil die Fächer Wirtschaft und Politik längst integriert sind. Die perfekte Grundlage für all diese genannten Themen. Aber trotzdem kommen die Kinder diesbezüglich wenn überhaupt nur mit einfachstem Grundlagenwissen nach Hause, das ihnen eigentlich nicht weiterhilft. So basiert vieles, was sie mit ihrem Geld machen und was sie darüber denken, auf reiner Interpretation von irgendwelchen Sachen, die sie irgendwo aufschnappen. Vielen ist ihr finanzieller Hintergrund auch einfach egal. Doch man muss sich immer vor Augen führen, dass es am Ende die Politik und die Wirtschaft sind, die davon profitieren. Durch Unwissen sind wir leicht manipulierbar, betrachten wichtige Sachen viel zu oberflächlich und lassen uns sprichwörtlich gesagt viel leichter übers Ohr hauen.

Übrigens: Eine Forsa-Umfrage hat ergeben, dass lediglich sechs Prozent aller Befragten (junge Erwachsene) in der Schule etwas zum Thema Geld beigebracht bekommen haben. Ebenso wussten nur 17 Prozent, was ein Vertrag zur privaten Altersvorsorge beinhaltet. Das sind äußerst bittere Quoten für Alltagsangelegenheiten, die man dringend verbessern muss. Da ist die Politik in der Pflicht.

Ein neues Schulfach, um den Umgang mit Geld zu lernen?

Schon Anfang des Jahres ging es durch die Medien, dass die SCHUFA – als einer der wichtigsten deutschen Dreh- und Angelpunkte rund um Finanzen – ein eigenes Schulfach rund um Geld und Finanzen fordert. Es reiche nicht, einige ausgewählte Umstände in den Wirtschafts-Unterricht einzubinden und nur nebenbei mal anzureißen. Die Kinder bräuchten eine regelmäßige Weiterbildung in diesem Bereich, so die Argumentation (Originalartikel). Sogar die Schüler und jungen Erwachsenen selbst sprachen sich dafür aus, weil sie längst wissen, dass sie hinsichtlich ihrer Finanzen nur auf gute Ratgeber im Internet oder auf ihre Familie zurückgreifen können. Grundsätzlich teilen sie den Wunsch, in der Schule mehr über Finanzen zu lernen.

Darauf reagierte die Politik in Berlin zumindest schon mal mit dem Vorhaben, das Thema „Umgang mit Geld“ fächerübergreifend und ausführlicher als bisher in den Unterricht zu bringen. Ein richtiges Schulfach dafür lehnte man jedoch von Vornherein ab. Die Beweggründe dazu sind weitestgehend unbekannt und das macht regelrecht traurig. Denn warum wird unseren Kindern bewusst das Wissen verwehrt, welches sie in ihrem Alltag nach der Schule dringender brauchen als mathematische Formeln? Man kann es nicht sagen.

Leserdiskussion:

Schreibe doch mal in die Kommentare, was du dazu denkst. Findest du auch, dass unsere Kinder in der Schule mehr Alltägliches lernen sollten? Sollte es auch deiner Meinung nach ein richtiges Schulfach dazu geben?

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